Nachtspeicherheizung – Auslaufmodell oder Hoffnungsträger?

HeizungskostenTeil 4 der Serie „energetisch Sanieren“

Der Nachtspeicherheizung droht das gleiche Schicksal wie den Atomkraftwerken: Aufgrund der Energiewende ist sie nicht mehr zeitgemäß und soll abgeschaltet werden. So regelt es jedenfalls die Energieeinsparverordnung (EnEV). Sie verbietet Nachtspeicherheizungen ab 2022. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) rät, auf wirtschaftlichere und ökologischere Heizungen umzusteigen. Der Energiekonzern RWE plant hingegen ein Comeback der Nachtspeicherheizung und fordert eine Aufhebung des Verbots.

Nachtspeicherheizung: Verbot wegen zu hoher CO2-Emissionen
Laut Schätzungen von LBS Research werden noch ca. 1,4 Millionen Haushalte in Deutschland mit Nachtstrom beheizt. Dabei belastet eine Nachtspeicherheizung die Umwelt mehr als eine Gas-, Öl-, oder Holzheizung. War sie früher aufgrund niedriger Preise im Niederstromtarif ökonomisch attraktiv, hat sich dies nun geändert: Der Preis für Nachtstrom ist von 4 Cent pro kWh in den Neunzigerjahren auf aktuell bis zu 17 Cent gestiegen. Peter Kafke, Energieexperte beim VZBV, rät den betroffenen Eigentümern, Vermietern und Mietern deshalb, auf eine andere Heizungsmethode umzurüsten.
Alternativen zur Nachtspeicherheizung

Veraltete Elektroheizungen wie die Nachtspeicherheizung werden normalerweise auf Warmwasser-Verteilsysteme umgestellt. Das erfordert jedoch einen gewissen baulichen Aufwand. Geringere Kosten in der Umrüstung von Nachtspeicherheizungen böten die Gas-Brennwerttechnik oder Fernwärme. Zu diesem Ergebnis kommt ein Modellvorhaben des Bundesbauministeriums. Als wenig vorteilhafte Alternative nennt Kafke die Umstellung auf elektrische Infrarotheizungen. Sie bräuchten zwar weniger Strom, liefen aber mit teurem Hochtarifstrom.

Energiespeicher – eine Zukunftsperspektive für die Nachtspeicherheizung?
Gleichzeitig findet allerdings eine Neubewertung der Nachtspeicherheizung statt. Bereits im vergangenen Jahr berichtete Stromversorger RWE im Gespräch mit der Financial Times, er wolle die Nachtspeicherheizung zur Speicherung von Elektrizität einsetzen. Der Grund: Abhängig von Jahres- und Tageszeit schwankt die Energiemenge, die von Windkraftwerken produziert wird. Die Kapazität der Wasserkraftwerke mit Pumpspeichern, die zur Speicherung dieser Energie genutzt werden, reicht jedoch kaum noch aus. RWE sehe nun in der Nachtspeicherheizung eine Lösung des Problems. Würden die 1,4 Millionen Nachtspeicherheizungen in Deutschland mit neuer Steuerelektronik ausgestattet, könnten sie Pumpspeicher mit 10 Gigawatt Leistung ersetzen. Deshalb fordert RWE, das Verbot auszusetzen. Der Einsatz des Energieversorgers für die Nachtspeicherheizung ist allerdings nicht ganz uneigennützig – sie würde ihm Investitionen in Milliardenhöhe ersparen.

Lesen Sie auch Teil 1, Teil 2 und Teil 3 unserer Serie „energetisch Sanieren“.

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